Ralf Geisthardt MdL
Ralf Geisthardt
01:50 Uhr | 15.12.2017 StartseiteStartseiteKontaktKontaktImpressumImpressum
 



Redebeitrag zur 82. Sitzung des Landtages von Sachsen-Anhalt
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Redebeitrag zu Tagesordnungspunkt 14: Erste Beratung Auswirkungen des Verbotes der Rapsbeizung mit neonikotinoiden Wirkstoffen Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 6/3765 Herr Geisthardt (CDU): Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich hatte heute Mittag eine elfte Klasse eines Gymnasiums zu Besuch. Ich habe die Schüler gefragt, ob sie wüssten, was Neonikotinoide seien. Es hat niemand gewusst, aber man kann Biolo-gie ja auch abwählen. Ich denke, die Mehrzahl der Bürger im Land wird mit diesem Begriff ebenfalls nicht viel anfangen können. Es ist aber wichtig, dass wir darüber sprechen; denn es geht dabei um die Bienengesundheit, es geht um Bestäubungseffekte und es geht natürlich auch um den Pflanzenschutz. Da die meisten wenig von den biochemischen Dingen wissen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, darf ich an dieser Stelle einen kleinen biochemischen Exkurs machen. (Zuruf von Herrn Lange, DIE LINKE) Diese Neonikotinoide sind Nervengifte. (Unruhe) Sie wirken relativ selektiv auf das Nervensystem der Insekten und wirken wie das Acetylcholin (Unruhe Glocke des Präsidenten) Präsident Herr Gürth: Es wird sicherlich auch fachlich sehr anstrengend. Eine gute Akustik ist daher angebracht. Herr Geisthardt (CDU): Neonikotinoide blockieren die Nervenzellen. Es erfolgt kein Abbau durch die Choli-nesterase. Somit wirken die Neonikotinoide genauso wie Nervenkampfstoffe. Es kommt zu einem Dauerreiz, es kommt zu Krämpfen und zum Tod der Insekten. Das soll dieses Insektizid auch erreichen. Aber diese Substanzen sind wichtig für den Pflanzenschutz und für den Ernteerfolg; ansonsten hätte man sie wahrscheinlich auch nicht auf den Markt gebracht. In einem Einzelfall hat eine Verkettung unglücklicher Umstände im Jahr 2008 am Oberrheingraben zu einem Bienensterben geführt. Daraufhin ist der Einsatz der drei bereits genannten Substanzen verboten worden. Das Problem, das sich insbesondere beim Rapsanbau stellt, ist, dass es nur noch eine Substanz gibt, die verwendet werden darf, und zwar die Pyrethroide. Gegen diese Substanz ist der Rapsfloh in Mecklenburg-Vorpommern bereits resistent. Das heißt, diese Stoffe wirken schon gar nicht mehr. Wir haben keine alternativen Beizen zur Verfügung. Es ist also ein schmaler Grat. Letztlich kann man nur sagen, man hat gut gezielt, aber schlecht getroffen. Das Verbot dieser Substanzen durch die EU-Kommission das muss man der Wahrheit halber auch einmal sagen ist auf einer relativ dünnen Datenlage erfolgt. Alternativen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Dadurch wird die ganze Sache deutlich problematischer. Es gibt Ausnahmenregelungen zur Weiterverwendung dieser Substanzen. Man darf Zierpflanzen und Gartenpflanzen weiterhin damit behandeln. Man kann damit Ameisen bekämpfen. Ich habe den Eindruck, dass die Bienen ganz genau wissen, wohin sie nicht fliegen dürfen. Auch diese Dinge müssen in der Diskussion einmal angesprochen werden. Es gibt eine Untersuchung, bei der deutsche Landwirte befragt wurden. Im Ergebnis zeigt sich, dass etwa ein Viertel der Befragten die Entscheidung der EU-Kommission als gut ansehen. Ein weiteres Viertel meint, die Entscheidung sei großer Unsinn. Ein Anteil von 50 % der Befragten meinen, wir müssten unsere Pflanzenschutzregimes umstellen; ob sie dadurch besser würden, wisse man aber nicht; da die Spritzmenge anderer Pestizide zwangsläufig ansteigen werde. Ich glaube nicht, dass das der Bienengesundheit gut tut. Der Vollständigkeit halber darf ich noch sagen, dass es eine Klage beim Europäi-schen Gerichtshof gegen den Beschluss der EU-Kommission gibt. Dieser Klage hat sich auch der englische Bauernverband angeschlossen. Ich denke, im Sinne unserer Landwirtschaft ist es nötig, dass rasch Lösungen gefunden werden. Diese müssen, sofern dies nötig ist, auch unkonventionell sein. Ich denke, wir sollten das Thema zügig in den Ausschüssen für Landwirtschaft und Forsten er sollte federführend sein sowie für Umwelt er sollte mitberatend sein erörtern. Wir sollten uns von nichtwissenschaftlichen Überlegungen zu diesem Thema fernhalten; alles andere wäre von Schaden. Vielen Dank. (Zustimmung bei der CDU)
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